Karriereplanung war gestern – Wie man navigiert, wenn nichts mehr planbar ist
Lebenslauf, Karriereleiter, 5-Jahres-Plan? In einer Welt, in der sich Rollen, Tools und ganze Branchen permanent verändern, greifen alte Muster nicht mehr. Die Coachin Christine Mark plädiert für einen neuen Umgang mit beruflicher Entwicklung: weniger Plan, mehr Landkarte. Und vor allem: mehr Selbstführung.
Christine Mark arbeitet als Coachin für berufliche Neuorientierung. Nach Stationen im Marketing, in der Selbstständigkeit und als Angestellte kennt sie die Herausforderungen moderner Erwerbsbiografien aus eigener Erfahrung. Heute begleitet sie Menschen dabei, ihren ganz individuellen Weg zu gestalten. Ihre Haltung: Veränderung ist immer möglich. Diese beginnt allerdings nur selten mit einem großen Knall, sondern fast immer mit einer kleinen Erkenntnis.

„Ich habe nie verstanden, einen Job nur zu machen, um Geld zu verdienen.“ Für Mark steht fest: Wer das Gefühl kennt, dass im Job „irgendwas nicht mehr ganz passt“, muss nicht gleich alles umwerfen. Viel hilft es, systematisch hinzuschauen: Welche drei Grundbedürfnisse sind in Schieflage? Kompetenz, Autonomie oder Verbundenheit? Wenn eines davon dauerhaft fehlt, kippt das innere Gleichgewicht. Das allein zu erkennen, sei oft der erste Hebel, sagt sie.
Von der Karriereleiter zur Karrierenavigation
In einer dynamischen Arbeitswelt wird der Wunsch nach einem planbaren Weg schnell zur Frustquelle. Mark rät deshalb zum Perspektivwechsel: Eine Karriere sei keine Leiter, sondern eine Landkarte. Wer wisse, wie er oder sie arbeiten möchte, finde leichter neue Wege. Der Nordstern sei nicht der Jobtitel, sondern das Gefühl: Wann bin ich im Flow? Wann fühle ich mich lebendig, kompetent, wirksam?
Dabei geht es nicht um Selbstverwirklichung im luftleeren Raum. Sondern um gezielte Mikroveränderungen. Mehr Klarheit, mehr Spielraum, mehr Sinn und das innerhalb des Bestehenden.
Muss ich jetzt Künstlerin werden, um glücklich zu sein?
„Ganz oft geht es gar nicht um den radikalen Neuanfang“, sagt Mark. „Sondern um eine falsche Zuschreibung.“ Die Töpferei auf Mallorca steht dann für etwas anderes: Ruhe, Kreativität, Autonomie. Wenn wir herausfinden, was Menschen eigentlich suchen, finden wir oft Wege, genau das in ihr jetziges Leben zu integrieren.
Der Unterschied liegt in der Frage: Nicht Was will ich arbeiten?, sondern Wie will ich leben und arbeiten? Wer das beantworten kann, sucht plötzlich ganz anders und mit mehr Erfolg.
Mikroveränderungen, die Großes bewegen
Wer sich mehr Gestaltungsspielraum wünscht, muss ihn nicht im Außen finden. Oft reicht es, ihn im Inneren zu erkennen. Solche Mikroveränderungen lassen sich oft sofort anstoßen, auch ganz ohne das gesamte Berufsleben infrage zu stellen. Eine kurze Liste, ein Gespräch, ein Perspektivwechsel kann reichen. Mark empfiehlt etwa:
- Den eigenen Kalender der letzten zwei Wochen durchzugehen: Wann war ich im Stress, wann im Flow? Wo will ich mehr, wovon will ich weniger?
- Eine Liste mit Tätigkeiten zu führen, die Energie geben und eine andere mit Tätigkeiten, die Energie rauben. Danach bewusst Termine und Verantwortlichkeiten neu justieren.
- Einmal die Woche im Teammeeting eine Idee einbringen, auch wenn sie unfertig ist. Sichtbar werden schafft Handlungsspielraum.
- Sich eine „Wunschrolle“ notieren. Nicht im Sinne einer Stellenbeschreibung, sondern mit Fokus auf Tätigkeiten, Kontext, Zusammenarbeit und Wirkung.
Wer in seinem Team etwas verändern will, muss nicht warten, bis jemand Aufgaben verteilt. Sondern fragen: Was fehlt hier? Was könnte ich einbringen? Und was hat das Unternehmen davon?
Innere Sicherheit statt äußere Kontrolle
In einer Welt voller Unsicherheiten hält Christine Mark nichts von der Hoffnung auf Stabilität im Außen. Sicherheit im Außen sei eine Illusion. Was wir brauchen, ist innere Sicherheit: das Vertrauen, dass wir mit allem umgehen können.
Das heißt auch: Mut zur Unklarheit. Viele wollen sofort wissen, wie es weitergeht. Aber Veränderung braucht Raum. Wer sich erlaubt, offen zu denken, neue Bilder zuzulassen, entdeckt plötzlich neue Richtungen.
Snackable Impulse aus dem Coaching mit Christine Mark
- Hör auf, Stellenanzeigen zu lesen. Sie liefern oft mehr vom Gleichen – oder frustrieren, weil sie nicht zu dir passen. Starte stattdessen mit der Frage: Wie will ich arbeiten?
- Schaffe Raum. Miste aus, was dir nicht gut tut: Aufgaben, Routinen, Glaubenssätze. Raum für Neues entsteht nicht im vollen Kopf.
- Finde deinen Nordstern. Wann warst du zuletzt im Flow? Was gibt dir Energie? Wie soll sich dein Berufsleben anfühlen?
- Handle im Kleinen. Nicht alles braucht sofort den radikalen Schnitt. Fang da an, wo du bist: mit einem Gespräch, einer Idee, einem Experiment.
Fazit
Karriere ist heute kein Ziel mehr. Sie ist ein Weg mit vielen Gabelungen. Christine Mark zeigt, wie man diesen Weg mit Freude, Klarheit und innerem Kompass geht – auch wenn die Landkarte unterwegs neu gezeichnet werden muss.
